Neuseeland 2013 - Nordinsel

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15.03.2013 90 Mile Beach und fahrt zum Waipoua Forest

Nach etwa einer Stunde war alles wieder so weit ok, dass wir weiter fahren konnten. Gerade zur rechten Zeit, es wurde nämlich unangenehm warm im Campervan. Unser nächstes Zeil war die Shipwreckbay. Migräne und neuseeländische Straßen sind keine gute Kombination, so bin ich möglichst sanft Richtung Ahipara gefahren. Die Gegend um die Shipwreckbay war sehr schön und die Fahrt von Ahipare zur Bay führte über gewohnt hügeliges Terrain. Die Bay selbst ist Privatgrund und wir hätten Eintritt zahlen müssen um das Wrack, das wegen der Flut eh nicht sichtbar war, aus der Nähe zu sehen. Das haben wir uns gespart und sind wieder Richtung Ahipara gefahren, wo wir am 90 Mile Beach halt zum Mittagessen machten.

 

Liquor Ban Area, es gibt viele öffentliche Bereiche in Neuseeland auf denen der Konsum von Alkohol verboten ist 

Hier in Ahipara beginnt der 90 Mile Beach

 

Diesmal wurde ich zum Totalausfall, beim Essen hat mir der Wind Sandkörner in die Augen geweht, erneut sehr angenehm mit Kontaktlinsen :-) Vom Ausflug auf die Giant Sand Dunes eh noch etwas lädiert war dies zu viel für die Augen. Nach einem kleinen Nickerchen ging es allerdings wieder und wir fuhren am Strand entlang weiter. Der 90 Mile Beach ist übrigens keine 90 Meilen lang, er bringt "nur" etwa 60 Meilen zusammen. Die Besonderheit an diesem Strand ist, dass er (bei Ebbe) sehr fest und daher mit Fahrzeugen gut zu befahren ist. Touren über den Strand bis hoch nach Cape Reinga gibt es bei allen möglichen Anbietern. Da waren wir ja bereits, außerdem stehen wir überhaupt nicht auf solche Massen-Touri-Touren, wo man nur an den ganzen tollen Sachen vorbei rauscht und nie genug Zeit hat um Fotos zu machen. Aber auf dem Strand fahren wollten wir trotzdem mal. Bei einem Anbieter in Ahipara konnte man Quads mieten, da hielten wir auch prompt an und erkundigten uns nach den Preisen. Quad fahren wäre schon cool gewesen! Aber die Ernüchterung folgte sofort: Eine Stunde kostete 95 NZD! So scharf waren wir dann doch nicht auf eine Fahrt über den Strand, um uns so abzocken zu lassen.

Wir fahren weiter nach Kohukohu, wo wir erneut mit einer Fähre übersetzten. Die Überfahrt nach Rawene dauerte 15 Minuten, kostete 42 NZD und sparte uns 2 Stunden fahrt.

 

Mit der Fähre von Kohukohu nach Rawene spart man sich etliche km auf der Straße

 

Sonne und Wolken

 

Auf der anderen Seite ging unsere fahrt weiter, hindurch durch den Waipoua-Forest den wir uns am nächsten Tag genauer ansehen wollten. Unterwegs entdeckte meine Frau im Straßenatlas (der eigentlich eher eine Werbebroschüre war) eine Anzeige von einem Campingplatz und einer Nachtwanderung, die von diesem aus startete (Kauri Coast TOP 10 Holiday Park in Kaihu). Bevor wir in den Urald fuhren rief ich gleich an und reservierte uns zwei Plätze für die Nachtwanderung und einen Platz zum Campen. Wir ergatterten die letzten zwei Plätze, Glück gehabt. Wenn die Kiwis „Wald“ sagen, dann meinen sie auch WALD! Die extrem schmale Straße windete sich schier unendlich durch einen Urwald. Die Beifahrerin hätte nur einen Arm zum Fenster raus strecken müssen, dann hätte sie die Bäume und Büsche berührt. Teilweise schrammte unser Außenspiegel an Ästen und Gebüsch entlang.

 

Fahrt durch den Waipoua Kauri Forest

 

Man mag es kaum glauben, aber wir sind trotz der Straßen heil und gesund am Campingplatz angekommen. Der Platz war recht nett, unser Stellplatz war lediglich durch etwas Gebüsch von einem Fluss getrennt. Sehr idyllisch. Wir mussten uns allerdings beeilen, die Führung ging um 20:30 Uhr los, wir hatten also nur noch etwas mehr als 1 Stunde. Das Essen wurde im Eiltempo eingenommen, dann duschten wir und zogen uns schnell um, besprühten uns sehr kräftig mit Insektenschutzmittel und schon ging es los. Wir waren natürlich, wie könnte es auch anders sein, die letzten.

Wir wurden in einen Kleinbus verfrachtet (die Gruppe bestand aus 11 Personen) und unser Nachtführer fuhr uns ein kleines Stück in den Urwald, in ein Gebiet, in dem Kiwis (also die Tiere) leben. Wir würden sehr gerne so ein kleines, pummeliges, gefiedertes Tierchen in freier Wildbahn sehen. Zunächst erklärte unser Führer uns alles mögliche theoretische über Kiwis: Was sie fressen, wie sie leben, ihre Feinde. Ihre Feinde sind zumeist eingeschleppt und der schlimmste das Opossum. Es frisst Kiwieier (von denen es eh schon viel zu wenige gibt) und kleine, junge Kiwis können sich nicht nennenswert verteidigen. Der Igel tut den Kiwis an sich nichts, aber er frisst ihnen das Futter, nämlich Würmer und Käfer weg. Dann gibt es noch Katzen und Hunde, die Kiwis jagen, die pummeligen, flugunfähigen Kiwis sind ihnen zumeist hilflos ausgesetzt. Wir erfuhren weiterhin, dass Kiwis territorial sind und sich einen Partner fürs Leben suchen. Es übernimmt übrigens der männliche Teil das Ausbrüten der Eier. Alles in allem sind die gefiederten Kiwis stark vom Aussterben bedroht und die menschlichen Kiwis versuchen alles mögliche, um ihren Bestand zu erhalten und zu vergrößern. Nach der Theorie erklärte uns unser Guide, wie wir uns zu verhalten haben, wenn er einen Kiwi entdeckt: Er sagt das Codewort „Kiwi“, daraufhin müssen alle die Taschenlampen aus machen (Kiwis sind Nachtaktiv und äußerst Lichtscheu, sie können nicht mal Vollmond ausstehen) und ganz leise sein, während er mit seiner Rotlichtlampe den Kiwi beleuchtet. Der Weg durch den Wald war ein Rundwanderweg und zumeist gut befestigt, an den kniffligen Stellen wies uns unser Guide darauf hin und beleuchtete sie mit seiner extrastarken Taschenlampe. Zwischendrin blieb er immer wieder stehen und erklärte uns Sachen über die Pflanzen und Insekten hier. Oder er blieb stehen und lauschte. Kiwis sollen nämlich einen Heidenlärm verursachen, wenn sie im Unterholz nach Futter suchen. Leider Fehlanzeige, das einzige, was wir einmal hörten, war der Ruf eines männlichen Kiwis. Verdammt laut. Der weibliche Ruf soll angeblich noch lauter sein ;-) Unterwegs sahen wir Glowworms, die eigentlich gar keine richtigen Glühwürmchen sind, sondern Raupen, die einen klebrigen Faden spinnen. Ihr Hinterteil beleuchten sie und versuchen so, Insekten anzulocken, die dann am Faden kleben bleiben und gefressen werden. Außerdem zeigte uns der Guide eine unglaublich riesige Spinne die meine Frau nur aus dem Augenwinkel heraus anschielen konnte :-) Wir sind etwa zwei Stunden durch den erstaunlich leisen Wald gelaufen, aber leider tauchte kein Kiwi auf. Wir waren etwas geknickt, da wir uns sehr darauf gefreut hatten, einen Kiwi zu sehen. Zurück am Campingplatz zeigte unser Guide uns noch Aale und eine ganze Wand voll mit Glowworms, was echt toll aussah. Wir haben zwar keinen Kiwi gesehen, aber die Führung war trotzdem sehr schön. Todmüde fielen wir ins Bett.