Ein Kinderwagenkauf, der ist lustig…

… nein, eigentlich nicht. Eher nervenaufreibend. Zeitraubend. Anstrengend. Gefühlt unmöglich.

Besonders in Hinblick auf das gefühlte Überangebot der heutigen Zeit. Lufträder oder normale Räder? Handbremse? Federung? Kombiwagen? Teuer? Billig? Softtasche? Kombiwanne? Wie soll sich denn da eine Erstlingsmama zurechtfinden?

Zum Glück gibt es Stiftung Warentest. Und wie praktisch für mich, dass Stiftung Warentest just dieses Jahr einen Kinderwagentest gemacht hat. Hm, wobei so praktisch ist das für mich ja gar nicht. Stiftung Warentest beurteilt nach seinen ganz eigenen Kriterien, Kriterien, die für mich äußerst wichtig sind werden nicht beachtet. Doch dazu später mehr.

 

Gebraucht? Online? Fachmarkt?

Zunächst einmal mussten wir uns entscheiden ob wir einen gebrauchten Kinderwagen, einen neuen online kaufen oder lieber ein Fachgeschäft besuchen möchten.

Klarer Vorteil der gebrauchten Kinderwägen: Sie sind günstiger. So ein Kinderwagen kann gut und gerne in den 4-stelligen Bereich gehen, gebraucht sind sie oftmals für einen Bruchteil des Neupreises zu ergattern. Tja, Problem dabei ist jedoch, dass ich in dieser Hinsicht etwas…nunja, nennen wir es „eigen“ bin. Von einer Freundin oder einer Schwester hätte ich jetzt kein Problem einen gebrauchten Kinderwagen zu nehmen. Aber von Fremden…? Gerade was Sicherheitsdinge angeht bin ich da äußerst skeptisch. Ich weiß schließlich nicht, was die Vorbesitzer mit dem Wagen gemacht haben. Natürlich: in den meisten Fällen nichts Besonderes, ihn einfach genutzt. Aber bei meinem Glück haben sie ihn mal die Treppen runter stürzen lassen und der Wagen hat irgendwelche Beschädigungen, die zwar nicht sichtbar sind, aber die Stabilität des Wagens beeinträchtigen. Ergo: gebrauchte Kinderwägen sind für uns keine Option.

Der Online-Einkauf hat oftmals den Vorteil, dass man –mit etwas Glück- ein Schnäppchen machen kann. Natürlich nicht so günstig wie bei gebrauchten Wägen, aber evtl. doch etwas günstiger als im Fachmarkt. Außerdem kann man den Wagen bei Nicht-Gefallen innerhalb von 14 zurückgeben. Das funktioniert in den meisten Läden nicht. Tja, warum habe ich den Wagen dann nicht online gekauft? Weil es mir sehr wichtig war den Wagen vorab testen zu können. Nachdem ich den Kinderwagen meiner Schwester mehrmals geschoben habe war mir klar: den will ich nicht. Beim Laufen bin ich da nämlich ständig mit den Füßen gegen die Räder gestoßen, was mich auf Dauer äußerst genervt hat. Und solche Dinge erfährt man eben nur wenn man den Wagen TESTET - und man kann ja schlecht 20 verschiedene Wägen bestellen, testen und dann wieder zurück schicken…

Bleibt also nur der Babyfachmarkt. In der geburtenreichsten Stadt Deutschlands. Meine Freude ist quasi grenzenlos und sucht seinesgleichen. Vorteile eines Babyfachmarktes sind eindeutig, dass man die Kinderwägen testen und das mehr oder minder qualifizierte Fachpersonal Löcher in den Bauch fragen kann. „Mehr oder minder“, da man hier oftmals auf Leute trifft, die entweder eine Null-Bock-Mentalität haben und das den Kunden auch spüren lassen, oder weil sie teilweise weniger Ahnung haben als man selbst nach tagelanger Recherche im Internet. Es gibt aber auch einige (wenige) Ausnahmen, das will ich nicht leugnen, jedoch verstecken die sich so gut wie die berühmtberüchtigte Nadel im Heuhaufen…

 

Babyfachmarkt 1.0

Sei es drum, wir sind samt der künftigen Omas in einen Babyfachmarkt gefahren um uns Kinderwägen anzusehen. Hierbei haben wir auch eine nette Verkäuferin ergattert, die sich viel Zeit genommen hat. Wir haben an Wägen fast alles angesehen, was der Laden vorrätig hatte. Wichtig war uns zu Beginn beim Kinderwagen:

  • -       Das Baby soll gut und lange drinnen liegen können
  • -       Er soll sich sehr einfach ohne Gehakel zusammen klappen lassen können
  • -       Er soll möglichst leicht sein (wohnen im Hochparterre und ich muss das Teil künftig hochtragen)
  • -       Wenn es möglich ist: nicht zu teuer und hübsch.

An den meisten Kinderwägen hatten wir etwas auszusetzen: zu hässliche (weder mein Mann noch ich mögen diese neuen Retro-Chrom-Kinderwägen), zu schwer (fast alle!!!), zu wenig wendig (sollte in einer Großstadt und besonders in den öffentlichen schon sein), zu doof zum zusammen klappen (doof wenn der Wagen mal ins Auto soll).

Hängen geblieben sind wir bei einem Wagen der Firma ABC Design im eher unteren Preissegment. Sehr niedliches Design. Vom Gewicht her ok, vorteilhaft war, dass der Wagen eine Softwanne auf dem Buggyaufsatz hatte, die man einfach abnehmen und die Treppen hochtragen kann. Der Rest des Gestells bleibt unten. Bei vielen Kinderwägen, besonders den Kombikinderwägen ist eine Hartwanne enthalten. Das Problem hierbei ist meines Erachtens nach, dass das ausklipsen teilweise recht hakelig ist und die Wanne samt Kind doch sehr schwer zum Tragen ist, sie wird quasi von Treppe zu Treppe schwerer. Der ABC Wagen sah bequem aus, die Wanne erschien so groß, dass unser Engelchen längere Zeit bequem darin liegen kann. Das Zusammenklappen funktionierte auch einwandfrei. Ok, alle oberen Punkte erfüllt, trotzdem wollten wir erst einige Nächte drüber schlafen, wir hatten ja schließlich noch ausreichend Zeit bis der Ehrengast eintrifft. Warum wir uns dann schlussendlich gegen diesen Wagen entschieden haben? Erinnert ihr euch noch an den Kinderwagen meiner Schwester? Der, den ich nicht leiden konnte? Das war ein gebrauchter von ABC Designs. Und das Zusammenklappen hat mich schier in den Wahnsinn getrieben bei diesem Wagen. Natürlich weiß ich nicht, ob nur der Mechanismus bei diesem einen Wagen gehakt hat, oder ob es Standard ist, dass diese Wägen nach längerer Benutzung haken, aber ich mochte diesen Wagen dann nicht mehr. Das ist so ein ähnliches Phänomen als ob man einen Namen hört und der gefällt einem super. Irgendwann im Laufe seines Lebens lernt man dann einen unglaublich unsympathischen Menschen kennen, der eben genau diesen Namen trägt. Und schwupps: man mag diesen Namen nicht mehr… Außerdem haben mich Recherchen im Internet dazu veranlasst anzunehmen, dass der Wagen meiner Schwester da keine Ausnahme ist, der Klappmechanismus scheint da recht anfällig zu sein. Nachdem der Wagen meiner Schwester auch noch Nerv tötend gequietscht hatte war diese Marke für uns aus dem Rennen, trotz des tollen Preis-Leistungs-Verhältnisses.

 

Babyfachmarkt 2.0

Leicht frustriert liesen wir die Suche erstmal etwas ruhen, ich kann nämlich nicht behaupten, dass mir ein Einkaufsbummel samstags in heillos überfüllten Babyfachmärkten mit zum Großteil unfreundlichen Verkäuferinnen Spaß machen würde… Auf Anraten einer Kollegin meines Mannes sind wir einige Zeit später recht spontan in einen anderen Babyfachmarkt gefahren. Machte einen „leicht“ versnobten Eindruck, der Laden, aber auch die Kunden und das Personal. Naja, was soll’s, man braucht ja einen Wagen und die Auswahl erschien recht passabel. Nach einer gefühlten Ewigkeit konnten wir eine minder sympathische Verkäuferin ergattern. Macht es euch auch so einen riesigen Spaß 4-stellige Summen in Läden zu lassen, in denen ihr unfreundlich und desinteressiert behandelt werdet *ironie aus*??? Wie dem auch sei, wir erklärten der Dame unsere Wünsche und bisherigen Kinderwagen-Erfahrungen und hoben nochmals hervor, dass der Wagen LEICHT sein muss. Sie zeigte uns einige Wägen und dann kam er, der heimliche Traum meiner schlaflosen Nächte: ein HÜBSCHER, nein, sogar richtiggehend STYLISCHER Kinderwagen. Liebe auf den ersten Blick. Herzrasen. Muss. Ich. Haben. Einen Namen hat er auch, dieser Traum: Mutsy Igo. Mutsy? Noch nie gehört. Egal. Der Wagen ist unglaublich wenig, wunderhübsch, er lässt sich unverschämt leicht zusammen falten, man könnte fast sagen, er faltet sich von alleine zusammen, man kann Lufträder zukaufen, er ist sooooo hübsch (verdammt, ich wiederhole mich), er ist ein richtiges Leichtgewicht, da hat jemand richtig mitgedacht!!! Man kann ein unglaublich tolles Einkaufsnetz dazu kaufen, so dass man auch mal vernünftig viele Sachen einkaufen kann. Hab ich schon erwähnt wie leicht er ist?! Natürlich habe ich es. Ich möchte nur nicht auf die negativen Punkte und damit die Gründe eingehen warum wir uns schlussendlich unfassbar schweren Herzens GEGEN diesen Wagen entschieden haben. Und hier einige negative Gründe: Der Wagen ist fast 3-mal so teuer wie der von ABC Designs (das war kein Ausschlußkriterium, sollte jedoch der Vollständigkeit halber erwähnt sein), die Wanne erscheint aufgrund des sehr kompakten Designs doch SEHR klein und daher nicht so lange nutzbar, die Federung macht einen äußerst harten Eindruck. Da wir immer noch einige Zeit hatten bis zur Ankunft des kleinen Menschleins wollten wir mal wieder einige Nächte darüber schlafen. Und natürlich im Internet recherchieren, was wäre der moderne Mensch nur ohne Internet… Allzu viel findet man im Internet nicht über Mutsy Kinderwägen, hauptsächlich in Foren, und dann auch eher über den Mutsy Evo, quasi die Stude unter dem Mutsy Igo. Das was zumeist bemängelt wird ist die überaus harte Federung. Mutsy hat die Federung zwar mit dem Model 2015 überarbeitet, jedoch erschien sie uns im Vergleich zu anderen Kinderwägen immer noch sehr hart. Gerade wenn man mal im Wald, oder auf Kopfsteinplaster spazieren geht möchte ich doch, dass unser Kind bequem liegt und nicht eine halbe Gehirnerschütterung davon trägt. Ich weiß, vielleicht etwas übertrieben, aber die lieben Mit-Schwangeren wissen: die Hormone…

 

Babyfachmarkt 3.0

Uns blieb nichts anderes übrig, wir sind in einen dritten Babyfachmarkt gefahren, mit einer Oma und deren Freundin im Gepack. Ein wirklich riesiger Fachmarkt! Unfassbar, wie viele Menschen schwanger sind und alle wollen sie in diesem Laden einen Kinderwagen kaufen. Samstags. So wie wir. Ich bin natürlich gleich wieder auf meinen Mutsy Igo zugestürmt und habe versucht das Gehirn auszuschalten, das beharrlich darauf pochte, dass Design und Leichtigkeit nicht alles ist. Blödes Gehirn… Aber es pocht einfach immer weiter… Nach einer gefühlten Ewigkeit haben wir es irgendwie geschafft eine Verkäuferin zu ergattern und sie mit unseren Fragen bezüglich des Mutsy Igo zu nerven. Nerven ist das richtige Stichwort. Die gute Frau ist so unglaublich angenervt von ihrem Job und scheinbar von ihrem Dasein im Allgemeinen, ich glaube, ich hatte noch keine unfreundlichere Verkäuferin als sie. Ständig schaut sie in der Gegend rum, schnauft dabei theatralisch, popelt den Dreck unter ihren Nägeln heraus und antwortet einsilbig auf unsere Fragen. Ja, es ist ja auch bestimmt unmöglich, ja gar fast unverschämt, dass wir wissen wollen ob unser Eindruck uns täuscht oder ob die Federung des Mutsy wirklich härter ist als die anderer Wägen. Und für alle, die die „arme“ Dame nun in Schutz nehmen wollen: nein, es war nicht kurz vor Ladenschluss, sondern erst kurz nach Öffnung. Ja, jeder kann mal einen schlechten Tag haben, aber muss das dann SO offensichtlich zur Schau getragen werden…?! Ich finde nein. Irgendwie sind wir die Zuckerschnecke dann losgeworden und haben uns weiter umgesehen, das Herz weiterhin am Mutsy hängend. Eine andere Verkäuferin, deutlich netter, spricht uns an und wir nehmen ihre Beratung dankbar an. Sie bestätigt unseren Eindruck mit der härteren Federung und zeigt uns stattdessen ein Model der Firma Gesslein. Schick. Nicht so schick wie Mutsy Igo, aber schick. Mit Softtasche. Wendig. Nicht so –jaja, ihr könnt es euch ja denken-. Einigermaßen leicht (den Rest spare ich mir). Die nette Verkäuferin muss ihre Mittagspause nehmen und eine Kollegin übernimmt unsere Beratung. Die ist zwar nicht so nett, wirkt aber äußerst kompetent. Auch sie bestätigt unseren Eindruck von der Mutsy Federung. Damit ist Mutsy Igo eindeutig für uns aus dem Rennen, denn der Komfort unserer Maus geht der -nun den Tränen nahen- werdenden Mama über Design und Leichtigkeit. Ich frage nach ihren Erfahrungen hinsichtlich der Zufriedenheit bzw. der Reklamationen mit dem Gesslein Model. Sie erwähnt, dass hier öfter Reklamationsmeldungen eingehen als beispielsweise beim Hartan. Hartan. Auch schon gehört, aber nicht weiter verfolgt weil…äh…öhm…weil halt. Hergestellt wird der Hartan Racer gt in deutschland, das gefällt mir schon mal auf Anhieb. Er sieht ganz nett aus – nicht so hübsch wie blablabla. Er lässt sich angenehm leicht zusammen und wieder aufklappen, die Designs sind zwar etwas trist (warum gibt es eigentlich keine quietschebunten Kinderwägen für Kinder?!), aber dafür ist die Federung echt toll!!!! Als ob man ein kleines Wölkchen anstupst! Dieses Mal fällt die Entscheidung. Wir nehmen einen Hartan Racer gt mit Kombiwanne. Die ist etwas stabiler als eine reine Softtasche, aber deutlich leichter als eine Hartwanne. Zusammenfassend das für uns Positive:

  • -       Der Kombiwagen hat einen Buggyaufsatz, auf den bei Bedarf eine Babywanne befestigt wird,
  • -       Die Kombitragetasche ist schön leicht, perfekt für jemanden, der Treppen steigen muss,
  • -       Der Wagen ist wenig,
  • -       Er lässt sich sehr leicht zusammen klappen,
  • -       Die Federung erscheint äußerst wertig, und
  • -       Made in Germany.

Die Dinge, die mir nicht so gefallen: Er sieht nicht so aus wie der Mutsy Igo und ist nicht so leicht wie dieser. Wenn er etwas günstiger wäre hätte ich auch nicht nein gesagt.